Vegane Alternativen in der Verkapselung: HPMC vs. Pullulan und klassische Gelatine
27 Mai, 2026
Die Verkapselung, also das Einschließen eines Wirkstoffs in der Kapselhülle, ist ein entscheidender Schritt, der über die Stabilität und die letztendliche Wirksamkeit eines Arzneimittels oder Nahrungsergänzungsmittels entscheidet. Obwohl Gelatine seit Jahrzehnten den Markt dominiert, steht die moderne Pharmazie heute vor neuen physikochemischen Herausforderungen – etwa der Hygroskopizität schwieriger Wirkstoffe – sowie vor steigenden Erwartungen der Verbraucher an Produkte, die zu 100% pflanzlich sind. Die Antwort auf diese Anforderungen sind moderne vegane Kapselhüllen: Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) und Pullulan. Welche davon sollten Sie für Ihr Produkt wählen? Wir präsentieren einen detaillierten technologischen Vergleich.
Gelatinekapseln – bewährter Standard und seine technologischen Grenzen
Gelatine, die aus Proteinen tierischen Ursprungs gewonnen wird, bildete über Jahre hinweg die Ausgangsbasis für die pharmazeutische Industrie. Ihre größten Vorteile sind sehr gute Sauerstoffbarriereeigenschaften sowie niedrige Produktionskosten. Gelatinekapseln lösen sich im sauren Milieu des Magens schnell auf, was eine sofortige Freisetzung des Inhalts gewährleistet. Trotz dieser Vorteile suchen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (F&E) immer häufiger nach Alternativen; der Grund dafür sind konkrete technologische Einschränkungen:
- relativ hoher natürlicher Wassergehalt – die Gelatinehülle enthält üblicherweise 13–16% Feuchtigkeit, was Reaktionen mit besonders wasserempfindlichen Inhaltsstoffen verursachen kann;
- Risiko der Vernetzung (Cross-Linking) – in Gegenwart bestimmter Substanzen (z. B. Aldehyde oder reduzierender Zucker) bildet sich auf der Kapseloberfläche eine wasserunlösliche Membran, die den Zerfall und die Freisetzung des Wirkstoffs im Magen verzögert;
- fehlende Akzeptanz bei Veganern und Vegetariern – ein Rohstoff tierischen Ursprungs (Rind oder Schwein) schließt das Produkt aus dem pflanzlichen Sortiment aus, und Standardgelatine erfüllt nicht immer die Anforderungen von Halal- und Koscher-Zertifizierungen.
Gut zu wissen: Das Phänomen des Cross-Linkings ist eines der häufigsten Probleme, die bei Freisetzungstests (Dissolution) von Gelatinekapseln beobachtet werden. Die entstehende Membran (sog. Pellikel) kann die Zerfallszeit der Kapsel erheblich verlängern, was dazu führen kann, dass die pharmakopöische Spezifikation zur Wirkstofffreisetzung nicht erfüllt wird. Dies ist ein zentrales Argument bei der Auswahl der Kapselhülle für empfindliche Formulierungen.
HPMC-Kapseln (Cellulosekapseln) – meisterhafter Schutz vor Feuchtigkeit
Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC), auch Hypromellose genannt, ist ein halbsynthetisches Polymer, das aus pflanzlicher Cellulose gewonnen wird. Sie hat sich zur beliebtesten veganen Alternative zu Gelatine entwickelt, und ihr Vorteil ergibt sich vor allem aus ihrem unterschiedlichen physikochemischen Profil. Im Gegensatz zu Gelatine zeichnet sich HPMC durch einen deutlich niedrigeren Wassergehalt aus – üblicherweise auf einem Niveau von 4,5–6,5%.
Diese Eigenschaft führt zu konkreten produktionstechnischen Vorteilen:
- Beständigkeit gegen Rissbildung in trockener Umgebung – HPMC wird bei niedriger Luftfeuchtigkeit nicht spröde, im Unterschied zu Gelatine;
- kein Vernetzungsphänomen – Cellulosehüllen zeigen keine Cross-Linking-Reaktionen, wodurch eines der Hauptprobleme von Gelatine eliminiert wird;
- Kompatibilität mit hygroskopischen Inhaltsstoffen – der niedrige Feuchtigkeitsgehalt macht HPMC ideal für das Einschließen wasserempfindlicher Substanzen wie Probiotika, Mineralstoffe oder Enzyme.
Eubioco verwendet sowohl Standard-HPMC-Kapseln als auch deren fortschrittliche Varianten, wie DRcaps. Eine Hülle dieses Typs begrenzt die Exposition empfindlicher Wirkstoffe gegenüber dem sauren Milieu des Magens und verzögert deren Freisetzung im Vergleich zu einer Standard-HPMC-Kapsel. Dabei ist hervorzuheben, dass DRcaps keine magensaftresistenten Kapseln (enteric) im pharmakopöischen Sinne sind – dort, wo die Produktspezifikation einen validierten enterischen Schutz erfordert, ist der Einsatz einer dedizierten magensaftresistenten Beschichtung erforderlich.
Pullulan (Plantcaps) – veganer Sauerstoffschutzschild aus natürlicher Fermentation
Pullulan ist ein zu 100% natürliches, wasserlösliches Polysaccharid, das durch Fermentation mithilfe des Pilzes Aureobasidium pullulans hergestellt wird. Es ist ein glutenfreier, gentechnisch nicht veränderter (non-GMO) Rohstoff und frei von typischen Allergenen, was ihn zu einer attraktiven Option für Premium-Marken sowie Clean-Label-Produkte macht.
Der wichtigste technologische Vorteil von Pullulan ist seine sehr geringe Sauerstoffdurchlässigkeit. Unabhängige wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Hüllen auf Pullulanbasis eine der niedrigsten Sauerstoffdurchlässigkeiten unter den Biopolymeren aufweisen, die in Lebensmittel- und Pharmaverpackungen sowie -beschichtungen eingesetzt werden (Chen et al., 2017; Reji und Roy, 2026). Kommerzielle Anbieter (z. B. Lonza Capsugel) kommunizieren dabei eine deutlich höhere Sauerstoffbarriere von Pullulan-Hüllen im Vergleich zu HPMC und Gelatine; es handelt sich jedoch um interne Herstellerdaten, die ohne Offenlegung der detaillierten Messbedingungen (Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Wandstärke) veröffentlicht werden – bei stabilitätskritischen Formulierungen empfehlen wir, die tatsächlichen Barriereparameter in eigenen F&E-Tests zu bestätigen. Unabhängig vom genauen Ausmaß der Unterschiede bleibt Pullulan unter den besprochenen veganen Hüllen das Material mit den besten Barriereeigenschaften, was es zu einer interessanten Option für Nahrungsergänzungsmittel macht, die stark oxidationsanfällige Inhaltsstoffe enthalten, wie:
- sauerstoffempfindliche Vitamine (u. a. A, C und E);
- ungesättigte Fettsäuren (z. B. Omega-3);
- Probiotika sowie andere empfindliche, leicht oxidierende Wirkstoffe.
Die Wahl von Pullulan ist jedoch mit konkreten technologischen und wirtschaftlichen Kompromissen verbunden, die bereits in der Phase der Rezepturentwicklung berücksichtigt werden sollten:
- höhere Rohstoffkosten – Pullulan ist in der Regel 3–5-mal teurer als HPMC, was sich direkt auf die Stückkosten der fertigen Kapsel auswirkt;
- langsamerer Zerfall in Wasser – im Vergleich zu Gelatine und HPMC löst sich die Pullulan-Hülle langsamer auf, was eine wesentliche Einschränkung für Formulierungen sein kann, die eine sofortige Freisetzung des Wirkstoffs erfordern;
- begrenzte Verfügbarkeit großer Größen – Pullulan-Kapseln sind in den größten Formaten schwerer verfügbar, was bereits in der Planungsphase der Produktionsskalierung überprüft werden sollte.
Gut zu wissen: Sowohl HPMC als auch Pullulan sind Rohstoffe pflanzlichen oder mikrobiologischen Ursprungs und erfüllen daher von Natur aus die Anforderungen einer veganen und vegetarischen Ernährung sowie erhalten allgemein Halal- und Koscher-Zertifizierungen. Bei tierischer Gelatine ist die Übereinstimmung mit diesen Anforderungen nicht selbstverständlich und erfordert den Einsatz speziell zertifizierter Rohstoffe.
Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Parameter der drei besprochenen Kapselhüllen und erleichtert die technologische Entscheidungsfindung:
| Parameter | Gelatine | HPMC | Pullulan |
| Sauerstoffbarriere | Sehr gut | Mäßig | Die beste unter den besprochenen Hüllen (in unabhängiger wissenschaftlicher Literatur bestätigt; der Anbieter berichtet in eigenen Tests noch höhere Werte) |
| Feuchtigkeitsgehalt in der Hülle | Hoch (13–16%) | Niedrig (4,5–6,5%) | Niedrig |
| Beständigkeit gegen Cross-Linking | Niedrig (Vernetzungsrisiko) | Hoch | Hoch |
| Rohstoffkosten (orientierend) | Am niedrigsten (Referenzpunkt) | Mittel | Am höchsten (ca. 3–5× HPMC) |
| Zerfallszeit in Wasser | Sehr schnell | Schnell | Langsamer als Gelatine und HPMC |
| Veganer Status / Halal / Koscher | Nein (tierischer Ursprung) | Ja | Ja |
| Hauptanwendung | Standardformen mit schneller Freisetzung | Hygroskopische Inhaltsstoffe (Probiotika, Mineralstoffe) | Oxidationsempfindliche Inhaltsstoffe |
Eubiocap-Innovation – Durchbruch bei der Formulierung schwieriger Inhaltsstoffe
Die Auswahl des geeigneten Hüllenmaterials ist das eine, doch die eigentliche technologische Herausforderung besteht darin, Inhaltsstoffe, die sich gegenseitig nicht tolerieren, in einem Produkt zu kombinieren. Die Antwort von Eubioco auf dieses Problem ist die unternehmenseigene Eubiocap-Technologie – ein „Kapsel-in-Kapsel“-System.
In der Praxis besteht diese Technologie darin, eine kleinere Kapsel – meist gefüllt mit einer flüssigen oder öligen lipophilen Form (z. B. Omega-3-Fettsäuren oder anderen oxidationsempfindlichen Inhaltsstoffen) – in eine größere Kapsel einzubringen, die eine stabile Trockenform in Form von Pulver, Granulat oder Pellets enthält. Eine solche Konstruktion trennt chemisch inkompatible oder sich gegenseitig sensibilisierende Inhaltsstoffe physisch voneinander und begrenzt Reaktionen wie Oxidation, Hydrolyse oder Feuchtigkeitsmigration zwischen den Phasen.
Das Einbringen einer Kapsel in eine andere ist mit natürlichen Volumenbeschränkungen verbunden – die kleinere Kapsel nimmt einen Teil des Raums der größeren Hülle ein, wodurch das verfügbare Volumen für die Trockenform reduziert wird und eine präzise Abstimmung der Größen beider Komponenten bereits in der Phase der Rezepturentwicklung erforderlich ist. Die Integrität des fertigen Produkts wird zusätzlich durch Banding gewährleistet, also das Anbringen eines Dichtbands entlang der Verbindungslinie von Kappe und Körper der größeren Kapsel – dies schützt das Produkt vor unbeabsichtigtem Öffnen und bestätigt die Einheitlichkeit der Charge während Transport und Vertrieb.
Dadurch gewährleistet Eubiocap:
- stufenweise Freisetzung (staged release) – die einzelnen Inhaltsstoffe werden in einer bestimmten Reihenfolge und zu einem bestimmten Zeitpunkt freigesetzt, entsprechend den Annahmen der Formulierung;
- Stabilität und Trennung der Inhaltsstoffe – Substanzen, die gegenüber gegenseitigem Kontakt empfindlich sind, bleiben während der gesamten Lagerdauer physisch isoliert, wodurch das Risiko von Abbaureaktionen begrenzt wird;
- Marktvorteil (USP) – die Möglichkeit, ein einzigartiges, mehrkomponentiges Produkt zu schaffen, das von der Konkurrenz schwer zu kopieren ist.
Wählen Sie mit Eubioco die optimale Form für Ihr Produkt
Es gibt nicht die eine, universell beste Kapselhülle – die richtige Wahl hängt von den Eigenschaften des konkreten Wirkstoffs, dem erwarteten Freisetzungsprofil sowie der Markenpositionierung ab. Die Technologen des Galenischen Labors Olsztyn, das zur Eubioco-Gruppe gehört, beraten Sie, ob Ihr Produkt eine Standard-Gelatinekapsel, eine schützende HPMC- oder DRcaps-Kapsel oder aber den Pullulan-Sauerstoffschutzschild Plantcaps benötigt.
Den gesamten Prozess realisieren wir nach strengen Qualitätsstandards, bestätigt durch die Zertifikate GMP und ISO 22000:2018, was die Sicherheit und Reproduzierbarkeit jeder Charge garantiert. Suchen Sie einen Partner, der Ihnen hilft, die optimale Form für eine anspruchsvolle Rezeptur auszuwählen? Kontaktieren Sie uns unter sprzedaz@eubioco.eu, um das Projekt zu besprechen, ein Angebot zu erhalten und F&E-Tests zu planen.
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